Du oder Sie - Kundenansprache auf der Website

Du oder Sie? Kundenansprache auf der Website

Lesedauer 4 Minuten

Ist es dir positiv oder negativ aufgefallen, dass du von mir geduzt wirst. Oder ist es dir gar nicht aufgefallen, weil beides für dich gut ist? Wie entscheidest du, wie du deine Kunden ansprichst? Und warum duze ich dich hier?

Bevor du diesen Beitrag liest

In diesem Artikel drehen sich meine Gedanken vor allem um langfristige Beziehungen. In die Zukunft gerichtet, aber basierend auf dem, was mich beruflich immer angetrieben hat, aus vollem Herzen meine besten Seiten einzubringen. Und das verstärkt sich mit jeder weiteren Erfahrung. Die Beziehungen sollen stark sein.

Ich bin zwar weit länger solo-selbstständig als angestellt, aber auch die Zeiten in Agentur, Konzern und Mittelstand haben mich geprägt. Wenn ich auf die vielen zwischenmenschlichen Berührungen blicke, hat sich für mich als Mensch im beruflichen Umgang nicht viel verändert: Respekt war nie eine Frage von du oder Sie.

Ob du oder Sie – entscheide dich und sei konsequent

Wesentlich ist: Eine Entscheidung muss her. Manchmal ist es ungeklärt, ob ein du oder ein Sie die angebrachte Anrede ist. Das kann sich merkwürdig anfühlen. Willst du bei der steten Arbeit an deiner Kommunikation (Website, Social Media, Newsletter etc.)  immer darüber nachdenken, wie du jetzt wieder den nächsten Bogen schlägst? Nein, das willst du nicht. Es erleichtert deine Arbeit, wenn du entschieden schreibst.

Denke über diese Fragen nach, bevor du dich entscheidest

  • Womit fühlst du dich wohl (sauwohl, „ok“ reicht nicht)?
  • Wie bist du (nicht „wie möchtest du sein“, du kannst dich in einer intensiven Zusammenarbeit nicht verbiegen)?
  • Mit wem arbeitest du am liebsten zusammen?
  • In welchen Situationen sprichst (und widersprichst!) du konventionslos rein aus all deiner Fachkompetenz? Offen und klar, statt verschachtelt?

Der Einfluss des Englischen

Ja, das „You“ vereinfacht auf den ersten Blick. Und wenn wir genauer hinhören? Das Englische hat einen großen Einfluss auf unsere Umgangsformen. Dabei begegnet mir häufig die falsche Annahme, es sei eine Du-Kultur wie in diesem Wort-Schnippsel, den ich wartend in einem Geschäft aufgeschnappt habe „… ich finde, gutes Benehmen sollte man den regionalen Gegebenheiten anpassen. Wir haben zumindest in offiziellen Kontexten eher eine Sie-Kultur“.

Die Wahl des Vornamens gepaart mit dem „You“ ist im Englischen weder eine Du- noch eine Sie-Kultur. Der englische und der deutsche Sprachraum sind völlig unterschiedlich. Genauso unterschiedlich werden auch Respekt, Hochachtung, Distanz in Worte gefasst. So ist es vordergründig leicht, englische Texte zu schreiben. Willst du den richtigen Ton treffen, ist damit mehr Fingerspitzengefühl verbunden. Du findest leichter den richtigen Ton, wenn du dir diese Fragen beantwortest.

Duzen ist nicht per se plump

Ist plumpe Vertraulichkeit eine unweigerliche Nebenwirkung, die das Duzen mit sich bringt? Das hast du selbst in der Hand. Bei mir fing eine jahrelange Zusammenarbeit einmal so an, dass mich der CEO eines mittelständisches Unternehmens von Anfang an geduzt und gesiezt hat. Seine jeweilige Wahl hing von der Situation und dem Medium ab. Das schien zwar uneindeutig, aber immer wenn er Ruhe hatte und mir schrieb, statt mich anzurufen, wählte er das Sie.

Die Anrede, die du für deine Website wählst, bestimmt nicht, wie du dich in der 1-zu-1-Kommunikation verhältst. Von Beginn an hätte ich auf das „du“ einsteigen können. Ich wollte durch meine Leistung weiterkommen und nicht als Duz-Kontakt des CEOs, in einem Unternehmen, das ich gerade erst kennenlernte. Und in dem das du nicht Teil der Unternehmenskultur ist. Ich blieb konsequent beim Sie. Nach einigen Monaten nahezu täglichen Kontakts stand Weihnachten vor der Tür. Wir hatten Ruhe und tauschten unsere Gedanken zum nächsten Geschäftsjahr aus. Nach den tollen Ergebnissen fühlte es sich für mich richtig an, das Thema mit der Anrede von meiner Seite aufzugreifen. Seitdem duzen wir uns, konsequent mit vollem Respekt.

Ich mag das „Sie“ und duze trotzdem

Wie sieht meine Kundenansprache generell aus? Ich agiere sehr persönlich und bin ein nahbarer Mensch. Mein Bauch schätzt, dass 90% meiner Kundenbeziehungen mit dem Siezen beginnen. Warum habe ich mich trotzdem entschieden, hier auf meiner Website, im Newsletter und meinen Social Media Kanälen zu duzen?

Die eindeutige Mehrheit meiner Kundenbeziehungen beginnen mit dem Siezen. Das fühlt sich angemessen an. Ich schätze das. Und dann? Wir tauschen uns schnell sehr intensiv aus. Wir führen lange Gespräche, in denen ich das Projekt hinterfrage, um zügig am Kern unterstützen zu können. Und genau dieses häufige Miteinander führt innerhalb kurzer Zeit zur Aussage „Wir können uns sehr gern duzen. Das ist viel einfacher.“. Hier bin ich old-school – warte ab, bis die Kundenseite diesen Vorschlag anbietet. In den allermeisten Fällen sage ich „sehr gern“.

Auf diese professionelle Ebene freue ich mich bei jeder neuen Beziehung. Und auf dieser Ebene möchte ich dir hier schon begegnen. Ich freue mich darauf, irgendwann mit dir abzuklatschen und gute Errungenschaften zu feiern.

Hallo Annette, ich bin mal so frei dich zu duzen, da wir es in Köln und im Medienumfeld in der Regel so halten, oder?

Sprecher eines Plattform-Projektes, dem ich empfohlen wurde

Überall dort, wo ich in einer 1-zu-1-Kommunikation bin, bleibt es für mich solange beim Sie, wie es sein soll. Ich stelle mich gern auf den anderen ein und setze voraus, dass wertschätzend miteinander kommuniziert wird.

Frage deinen Kunden nach der bevorzugten Anrede

Es mag eine Hürde sein, wenn du mit der „falschen“ Anrede eingestiegen bist. Doch wer daran interessiert ist, was du leistest und anzubieten hast, wird nicht davor haltmachen. Durch die Kontaktaufnahme deines Gegenübers bekommst du mit, ob das Duzen oder Siezen bevorzugt wird. Hast du ein Kontaktformular auf deiner Website? Dann nutze es und frage:

Screenshot aus meinem Kontaktformular

Mein Fazit – Menschen kaufen von Menschen

Wenn die Wellenlänge passt, stört sich keine Seite an einem „du“ oder einem „Sie“. Es fühlt sich beides gut und richtig an.

Du bist noch unsicher? Weißt nicht, wie du dich entscheiden sollst? Erzähle mir von deinen Gedanken. Im guten Dialog klärt sich Gedankenwust.

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