Das Märchen der allerbsten WordPress Plugin Anzahl
WordPress

Das Märchen von der allerbesten Plugin-Zahl in deinem WordPress

Lesedauer 8 Minuten

Du fragst dich, wie viele Plugins du auf deiner WordPress Website installieren darfst? 5, 10, 42? Ich sage es dir: Es gibt keine festgelegte, maximale Anzahl, die erlaubt ist. Von Haus aus interessiert es WordPress überhaupt nicht, wie viele aktive Plugins du nutzt. Es ist ein Märchen und es verunsichert.

Was ist überhaupt ein WordPress Plugin?

Mit einem WordPress Plugin kannst du deine Website erweitern, ohne den sogenannten WordPress Core selbst verändern zu müssen. Den WordPress Core – das Herzstück von WordPress – packst du niemals an (für technikinteressierte Menschen ist der Blick in die Dateien spannend und aufschlussreich). 

Ein WordPress Plugin ist ein kleines oder großes Stück hilfreicher Software, ein Puzzlestein, damit du das Gesamtbild erreichst, das du dir wünscht. Nicht mehr und nicht weniger.

Warum geistert durch alle Kanäle die meist undifferenzierte Aussage, dass du dir bewusst darüber sein solltest, dass jedes Plugin deine Website etwas langsamer und vor allem anfälliger für Hacker macht? Weil sich so besser verkaufen lässt, dass du besser die Finger davon lässt und direkt einen Profi engagierst.

Schließt du eine Versicherung ab, weil du es so cool findest und deinen Freunden beim nächsten Treffen davon erzählst, dass du jetzt bei der “Fear Secure” unter Vertrag bist? Warum wird immer mit Ängsten und Sorgen der Menschen gespielt? Information ist ein wesentlich besserer Ratgeber.

Richtig ist, jedes Plugin kann deine Website langsamer machen. Und genauso richtig ist, jedes Plugin kann eine Tür für diejenigen öffnen, die sich gern unbefugt Zutritt zu deiner Internetpräsenz verschaffen wollen.

Vergleich zweier WordPress Plugins – klein und groß

Sehen wir uns zwei Beispiele eines WordPress Plugins an, bevor wir weiter denken:

  1. Ein Beispiel eines Mini-Plugins
  2. Ein Beispiel eines umfangreichen Plugins

Mini-Plugin „Highlight Draft“

Die minimale Ausgabe eines Plugins besteht aus einer einzigen Datei. Alles, was diese PHP-Datei braucht, um zu funktionieren:

  1. ein Plugin Kopf (Plugin Header)
  2. eine PHP Funktion (PHP function)
  3. eine definierte Stelle (Hook), wo genau die PHP Funktion zum Tragen kommt

Der Plugin Kopf – worum geht es im Plugin, von wem ist es …

<?php
/**
* Plugin Name: Highlight Draft
* Plugin URI: https://voelckner.de
* Description: This plugin highlights all drafts of posts and pages in the WordPress backend.
* Author: Annette Völckner
* Version: 1.0.0
* Author URI: https://voelckner.de
* License: GPL v2 or later
* License URI: https://www.gnu.org/licenses/gpl-2.0.html
*/

Die PHP Funktion – was soll gemacht werden

// Change the color to whatever you like and prefer.
function avst_highlight_draft() {
  echo "
  <style type='text/css'>
  .status-draft {
     background-color: rgba(255,255,0,1) !important;
  }
  </style>
  ";
}

Die definierte Stelle – wo genau soll das gemacht werden

add_action( 'in_admin_header', 'avst_highlight_draft' );

Fertig. Das so erstellte Plugin zeigt dir deine Entwürfe jetzt deutlicher im WordPress Backend an.

Screenshot aus dem WordPress Backend

Download WordPress Plugin „Highlight Draft“

Ich liebe kleine Helferlein. Deshalb kommt „Highlight Draft“ von Anfang an in jede meiner Installationen. Wenn du das auch magst, kannst du dir das Plugin „Highlight Draft“ hier kostenlos runterladen.

Beispiel eines umfangreichen Plugins „Yoast SEO“

Wer kennt das für seine SEO-Unterstützung sehr beliebte Plugin Yoast SEO nicht. Besteht das auch aus nur einer Datei? Ganz sicher nicht. Die Datei wäre zwar nicht ganz so lang wie der Rhein-Verlauf zwischen Köln und Düsseldorf, aber deutlich zu lang, um alle Funktionen sinnvoll unterbringen zu können. Von der Wartung und Weiterentwicklung ganz abgesehen.

In der aktuellen, frei verfügbaren Fassung auf WordPress.org besteht Yoast SEO aus 175 Ordnern und 1.231 Dateien.

Screenshot Ordner Eigenschaften Plugin „Yoast SEO“

Wirf eine Blick auf die Dateistruktur. Wir brauchen hier nicht in Details zu schauen, damit klar wird, dass dieses Plugin eine vollkommen andere Nummer ist als mein „Highlight Draft“.

Screenshot Dateistruktur Plugin „Yoast SEO“

Yoast SEO bietet so dermaßen umfangreiche Funktionen, die in den vielen Dateien und letztlich Code-Zeilen stecken.

Zwei konkrete Dinge möchte ich dir zu Yoast SEO zeigen

Die Datei wp-seo.php ist die eine einzige, elementare Datei, die WordPress von jedem Plugin braucht. Dieses Fundament sorgt dafür, dass du im WordPress Dashboard unter „Plugins“ siehst, worum es geht.

Du kennst das jetzt schon, wir brauchen in dieser Datei:

  • Plugin Header (Plugin Kopf)
  • PHP function (PHP Funktion)
  • Hook (definierte Stelle)

Der Plugin Header

<?php
/**
 * Yoast SEO Plugin.
 *
 * @package   WPSEO\Main
 * @copyright Copyright (C) 2008-2019, Yoast BV - support@yoast.com
 * @license   http://www.gnu.org/licenses/gpl-3.0.html GNU General Public License, version 3 or higher
 *
 * @wordpress-plugin
 * Plugin Name: Yoast SEO
 * Version:     15.5
 * Plugin URI:  https://yoa.st/1uj
 * Description: The first true all-in-one SEO solution for WordPress, including on-page content analysis, XML sitemaps and much more.
 * Author:      Team Yoast
 * Author URI:  https://yoa.st/1uk
 * Text Domain: wordpress-seo
 * Domain Path: /languages/
 * License:     GPL v3
 * Requires at least: 5.5
 * Requires PHP: 5.6.20
 *
 * WC requires at least: 3.0
 * WC tested up to: 4.8
 *
 * This program is free software: you can redistribute it and/or modify
 * it under the terms of the GNU General Public License as published by
 * the Free Software Foundation, either version 3 of the License, or
 * (at your option) any later version.
 *
 * This program is distributed in the hope that it will be useful,
 * but WITHOUT ANY WARRANTY; without even the implied warranty of
 * MERCHANTABILITY or FITNESS FOR A PARTICULAR PURPOSE.  See the
 * GNU General Public License for more details.
 *
 * You should have received a copy of the GNU General Public License
 * along with this program.  If not, see <http://www.gnu.org/licenses/>.
 */

Die PHP function

if ( ! function_exists( 'add_filter' ) ) {
	header( 'Status: 403 Forbidden' );
	header( 'HTTP/1.1 403 Forbidden' );
	exit();
}

if ( ! defined( 'WPSEO_FILE' ) ) {
	define( 'WPSEO_FILE', __FILE__ );
}

// Load the Yoast SEO plugin.
require_once dirname( WPSEO_FILE ) . '/wp-seo-main.php';

Der Hook

Hmmm, die Datei wp-seo.php sagt gar nicht konkret, wo die PHP function etwas machen soll, oder? Zumindest gibt es die definierte Stelle (den „Hook“) gar nicht in der Form, wie wir es weiter oben bei dem Mini-Plugin kennengelernt haben. Und jetzt?

Jetzt sehen wir uns die letzte Zeile aus wp-seo.php nochmal genau an:

require_once dirname( WPSEO_FILE ) . '/wp-seo-main.php';

Hier passiert die Magie. Erst in wp-seo-main.php geht es ans Eingemachte. Das Fundament wp-seo.php sagt „Bitte gehe direkt weiter zu wp-seo-main.php“. Das ist unsere definierte Stelle, an der es weitergeht. Und die Datei besteht dann auch direkt aus 615 Code-Zeilen, die sich auf die über 1.000 Dateien beziehen. Irre, oder?

Was bedeuten die unterschiedlichen Ausprägungen von WordPress Plugins für dich?

Damit du dir die Frage nach der sinnvollen Anzahl von Plugins beantworten kannst, musst du genau hinsehen. 42x Plugins wie „Highlight Draft“ – kein Problem. 42x Plugins wie Yoast SEO – wow, da muss dein WordPress nicht nur richtig ackern, sondern bietet auch viel, viel mehr Türen und Fenster für Gauner und ihren unbefugten Zutritt. Wenn diese offen sind.

Der oben beschriebene Umfang ist daher nur ein Merkmal. Ich habe das bewusst gewählt, weil es dir so schön plakativ zeigt, in welcher Bandbreite WordPress Plugins existieren.

Ein mindestens genauso wichtiges Merkmal ist die Code-Qualität. Bei diesem Thema kommt man durchaus auch weiter, ohne Entwickler/in sein zu müssen. Die folgende 7-Punkte-Checkliste soll dir dabei helfen, das Thema sorgenfrei in den Griff zu bekommen.

Checkliste „Darauf solltest du bei der Auswahl von WordPress Plugins achten“

Diese Checkliste gibt dir eine Reihe von Ideen, wie du zu einer guten Entscheidung für dich kommen kannst. Das sind alles Punkte, die ich selber bei der Auswahl in die Waagschale werfe. Hast du noch einen weiteren Tipp? Wie gehst du vor? Schreib‘ das gern in die Kommentare.

Plugins aus vertrauenswürdigen Quellen herunterladen

Dieser Punkt ist kein absoluter Garant für gute Qualität, aber eins ist zumindest sicher: Ein Plugin, das schädlichen Code beinhaltet, wird bei diesen Quellen ziemlich sicher nicht veröffentlicht. Deine erste Anlaufstelle ist immer das offizielle WordPress Repository. Alle dort gelisteten Plugins sind kostenfrei.

Dort findest du häufig Plugins, die in ihrer kostenlosen Version weniger Funktionen haben, als in einer angebotenen Pro-/Premium-Version. Lies dir die Beschreibung gut durch, damit du nach einer Installation nicht enttäuscht bist.

Meiner Erfahrung nach ist es für viele eher die Regel, dass ihnen die kostenfreien Versionen ausreichen. Je nach Preismodell kaufe ich für meine eigenen Projekte häufig trotzdem die Pro-Version, um die gesamte Entwicklung zu unterstützen.

Wie aktuell ist das Plugin und wie häufig gibt es ein Update?

Mein „Highlight Draft“ trägt seit Jahren die Versionsnummer 1.0.0. Das wird auch so bleiben. In der Handvoll Code muss nichts verändert werden. Der Code muss sich der Weiterentwicklung vom WordPress Core nicht ständig anpassen und neueren Gegebenheiten Rechnung tragen.

„Yoast SEO“ hingegen ist bereits in der Hauptversion bei 15. Das spricht eine klare Sprache. Hier passiert viel und andernfalls würde das Plugin inzwischen auch nicht mehr funktionieren.

Was ist das für ein Plugin, für das du dich interessierst? Was macht es? Wann hat es zuletzt ein Update bekommen?

Was sagen die Bewertungen in Anzahl und Inhalt?

Diese Woche habe ich eine Frontal 21 Reportage zu gekauften Bewertungen gesehen. Ich schlafe nicht auf Bäumen, aber mir ist dabei viel aus dem Gesicht gefallen. Es ist schlimm, welche kriminelle Energie in den Betrug geht. So etwas habe ich aus dem WordPress Umfeld glücklicherweise noch nicht gehört.

Worauf achten? Schau nicht nur auf die Sterne-Anzahl selbst, sondern lies quer im Inhalt der Rezensionen. Wird nur ein Stern vergeben, weil der Bewertende eine bestimmte Funktion nicht bekommen hat? Oder klingt der eine Stern wirklich gerechtfertigt? Drücken viele ähnliche Meinungen aus? Die Anzahl gibt dir einen weiteren Hinweis, in die positive wie negative Richtung.

Kommuniziert der Plugin-Anbieter gut im Support?

Kommunikation ist alles, denn Sprechenden kann geholfen werden. Wie sieht die Kommunikation im Support Forum aus? Kommen die Hilfe-Suchenden dort weiter? Oder bleibt es eher ein Fragen-Friedhof? Und wie sehen Antworten aus? Hilfreich oder abweisend?

Bitte beachte hierbei unbedingt, dass alles, was du via WordPress.org herunterladen und nutzen kann, kostenfreie Open Source Software ist. Konkret heißt das, dass du die Zeit und Ressourcen anderer frei nutzen darfst. Für dich privat wie für deine Profession. Da kann eine Anwort im Support Forum auch etwas länger dauern und das ist vollkommen ok. Und denke an ein „Dankeschön“ für eine Antwort an dich❣️ Das macht deinem Gegenüber eine Freude.

Gibt es noch andere Plugins von demselben Entwickler?

Ich finde es interessant und hilfreich, was ggf. noch von diesem Plugin-Autoren stammt. Und wie sehen hier die anderen Checklisten-Punkte aus? Kennst du das Pluginkollektiv? Vielleicht sagt dir der Name nicht direkt etwas, aber sofern du einen Blog mit Kommentar-Funktion betreibst, setzt du vermutlich auch Antispam Bee ein. Das Pluginkollektiv hat eine vorbildliche Reputation und mir fällt es leicht, Software aus dieser Hand bedenkenlos einzusetzen.

Behalte deine Website kontinuierlich im Blick

Dieser Tipp ist nicht offensichtlich: Was genau hast du für eine WordPress Website? Wie schlimm wäre, wenn sie einmal kurzzeitig nicht erreichbar wäre? Wir wollen alle keinen Ausfall, aber ein solcher hat sehr unterschiedliche Auswirkungen. Mit einem rohen Ei gehe ich anders um, mache keine Experimente. Einen Shop oder eine Lernplattform mit sensiblen, individuellen Kundendaten muss ich umsichtiger behandeln als meinen Meinungsblog.

Teste dein Plugin der Wahl auf die Performance-Auswirkung

Lade das ausgewählte Plugin in deine WordPress Installation und aktiviere es. Und? Lädt deine Website noch so schnell wie vorher? Oder hast du ein lahmes Gefühl? Das Testen der Ladegeschwindigkeit ist ein großes, eigenes Kapitel. Geh‘ diesen ersten Test subjektiv an und frag‘ am besten im Freundeskreis, ob dort jemand mit anderen Geräten als deinen nachsehen kann.

Fazit

42 ist nicht die Antwort auf die Anfangs gestellte Frage. Es ist vor allem dein gesunder Menschenverstand. Solange du dich anhand der Checkliste umgesehen hast, weißt, wann du warum welches Plugin installierst und dabei die Ladezeit deiner Website im Blick behältst, kannst du nicht völlig falsch liegen.

Wie gehst du das Thema an? Wie bist du bisher zum Ziel gekommen? Hinterlasse mir einen Kommentar im Blog, ich freue mich darauf.

Ähnliche Beiträge

2 Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.